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Der Schneider und die Farben des Himmels und der Erde

Es war einmal ein Schneider, der in vielen Königshäusern ein- und ausging um dort Kleider zu nähen. Nachdem er so eine Weile gearbeitet hatte, wollte er eines Tages auch einmal etwas für sich nähen. Aber es sollte schon etwas ganz besonderes sein und so suchte er mit grösster Sorgfalt den richtigen Stoff. Der Stoff, den er endlich nach langer Zeit fand, war dann auch ganz besonders: er hatte alle Farben des Himmels und der Erde.
Der Schneider beschloss, sich daraus einen Mantel zu nähen. Als er fertig war und er ihn trug und er so durch die Strassen an den Menschen vorbeiging, war der Mantel mit den Farben des Himmels und der Erde so schön, dass alle Leute, die ihn kommen sa-hen, ihn anschauen mussten. Und wenn er vorbeigegangen war, ihm immer noch nach-blickten und Freude daran hatten.
Der Schneider trug den Mantel jeden Tag und so wurde er natürlich mit der Zeit am Saum rissig und löchrig und konnte nicht mehr getragen werden. Was nun? Der Schneider überlegte und beschloss, sich aus dem Mantel eine Jacke zu machen. Als sie fertig war und er sie trug, mussten die Leute ihm immer noch wie verzaubert nachblicken, wenn sie ihn sahen mit der Jacke, so schön war der Stoff.
Doch auch die Jacke war mit der Zeit an den Ärmeln durchgescheuert und am Saum ausgefranst und da dachte der Schneider: „Ich mache ein Gilet daraus!“ Er nahm Kragen und Ärmel ab, machte alles etwas kürzer und auch das Gilet trug er nun lange. Die Leute freuten sich, wenn sie ihn mit dem schönen Gilet sahen, das immer noch alle Farben des Himmels und der Erde hatte.
Leider wurde mit der Zeit auch das Gilet unansehnlich und konnte nicht mehr getragen werden. Da dachte der Schneider: „Ich mache eine Mütze daraus!“ und nähte sich aus den noch schönen Stoffteilen eine Mütze in der Art, in welcher alle Stoffstücke in der Mit-te zusammen kommen. Sie stand ihm äusserst gut zu Gesicht und alle Menschen mussten ihm nachblicken, wenn sie ihn sahen.
Durch Wind, Regen und Sonne wurde auch die Mütze mit der Zeit kaputt und hässlich. Und der Schneider überlegte sich abermals, was er nun wohl machen könnte, da ihm ja der Stoff so gut gefiel und er ihm auch so gut zu Gesicht stand. Da machte er sich noch aus dem letzten guten Rest einen Knopf. Diesen nähte er oben an einen dunklen Mantel. Sogar diesmal leuchteten bei diesem kleinen Knopf die vielen Farben des Himmels und der Erde immer noch so sehr, dass die Leute schon von weitem den Knopf an dem Mantel ansehen mussten, so schön war er.
Doch auch der Knopf blieb nicht ganz mit der Zeit und franste an den Rändern aus und konnte nicht mehr als Knopf gebraucht werden.
Da nahm der Schneider ein paar der letzten Fäden mit den Farben des Himmels und legte sie so hin und ein paar Fäden mit den Farben der Erde und legte sie so hin. Und was denkt ihr, was daraus wurde?
Daraus wurde das erste Märchen, das von einem Schneider erzählt, der sich einen Mantel nähte, dessen Stoff alle Farben des Himmels und der Erde hatte.

Quelle dieses Märchen unbekannt

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